Pferdegeschichten
Rhiann - Sturm über den Highlands
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Leseprobe:
Granny nickte lächelnd und meinte, sie würde jetzt wirklich ins Bett gehen. Es war schon beinahe zwei Uhr Früh. Auch Mara und Ian gingen hinauf in ihr Zimmer.
Am nächsten Morgen überlegten sie, wie sie Rhiann am besten holen sollten. Draußen bedeckte leichter Schnee die Hügel und die Sonne kam langsam zwischen den Wolken hervor.
»Komm, wir reiten zusammen auf Schorsch und ich nehme nur das Zaumzeug mit, dann kann ich sie auf dem Rückweg reiten.«
»Ich weiß nicht«, meinte Ian unsicher.
»Komm schon, der hält uns sicher beide aus«, meinte Mara unbekümmert und grinste dann. »Ich setze mich auch hinter den Sattel.«
Ian nickte schließlich. Sie putzten und sattelten Schorsch, dann ritten sie den guten Kilometer bis zu Mrs. Edmondsons Haus. Mara wackelte ziemlich auf dem breiten Schorsch hin und her.
Als sie anfing, Ian lachend in die Seite zu pieksen, schimpfte dieser: »Mara, hör auf, sonst fallen wir noch alle beide runter.«
»Ach komm schon, ist doch lustig«, grinste sie und drückte Schorsch die Schenkel an die Seite, sodass dieser antrabte.
»Mara!«, schrie Ian auf und kämpfte um sein Gleichgewicht, als Mara hinter ihm auf und nieder hüpfte.
Grummelnd parierte er wieder durch und schimpfte über die ›crazy Lass‹ hinter sich, doch schließlich kamen sie wohlbehalten an. Das alte Haus lag auf einem kleinen Hügel. Alte Bäume wuchsen dahinter und man konnte heute bis auf das Meer hinaus sehen. Es war weit und breit kein anderes Haus zu sehen, das Dorf ›Stoer‹ lag etwas weiter westlich an der Strasse.
Zum Dank hatte Mara der alten Frau eine Schachtel Pralinen und etwas selbstgemachte Marmelade von Granny Kate mitgebracht.
»Das wäre doch nicht nötig gewesen«, meinte Mrs. Edmondson verlegen. »Ich habe mich wirklich gefreut, mal wieder ein Pferd bei mir zu Hause zu haben.« Sie streichelte Rhiann, die gerade von Mara aufgezäumt wurde, sehnsuchtsvoll über den Hals. »Wenn du möchtest, kannst du mich ja mal wieder besuchen«, sagte sie unsicher. »Und du natürlich auch«, fügte sie zu Ian gewandt hinzu.
Mara nickte. »Natürlich, das mache ich gerne.« Sie lächelte, als sie sah, dass Rhiann der alten Frau vertrauensvoll den Kopf auf die Schulter legte und sich kraulen ließ. »Rhiann mag Sie und das kann man nicht von jedem sagen.«
Sie verabschiedeten sich von Mrs. Edmondson und ritten durch den Schnee zurück. Mara drehte sich noch einmal um und winkte der alten Frau zu, die ihnen noch immer nachblickte.
»Ich glaube, sie hätte selbst gerne ein Pferd«, sagte Mara seufzend.
Ian nickte und meinte lächelnd: »Na, Rhiann hat sie ja schon verhext, die war total zutraulich zu ihr.«
»Sie ist keine Hexe!«, rief Mara empört und schlug ihm aufs Bein.
Ian lachte und hielt ihre Hand fest. »Hey, du da unten. Das habe ich doch gar nicht gesagt.« Er grinste sie an. »Mal abgesehen davon habe ich kein Problem mit Hexen. Ich habe doch selbst eine ›wee witch‹.«
Mara streckte ihm die Zunge heraus und galoppierte ohne Vorwarnung an. Rhiann war wie der Blitz den Weg hochgaloppiert und Schorsch folgte mit seinen großen, weichen Galoppsprüngen.
»Sag ich doch, Rhiann und du, ihr seid wirklich zwei kleine Hexen«, knurrte Ian, als er wieder aufgeholt hatte.
Mara grinste triumphierend, während Rhiann lautstark schnaubte. Bald hatten sie die Koppel erreicht und wurden mit lautem Wiehern von den anderen Pferden begrüßt.
»Ah, da ist der Zaun kaputt«, sagte Ian stirnrunzelnd, als sie die Koppel abliefen. Auf der Seite, die zur Strasse hinunter führte, waren einige Pfosten umgekippt.
»Na ja, wir machen einfach das Tor zu und lassen die Pferde nur auf der oberen Koppel, das können wir auch später noch reparieren.«
Mara nickte und streichelte Rhiann am Hals.
»Reiß nur nicht noch mal aus, du kleines Monster«, flüsterte sie ihr ins Ohr. »Ian, sag mal, glaubst du eigentlich an Kobolde und so was?«, fragte sie plötzlich.
Er hatte gerade seinen Sattel aufgeräumt und kam aus der Scheune zurück.
»Natürlich«, meinte er lachend, hob sie plötzlich hoch und warf sie sich über die Schulter. »Ich habe doch gerade einen gefangen.«
Sie lachte und trommelte ihm auf den Rücken, bis er sie wieder herunterließ. Dann liefen sie zurück zum Cottage, um erst mal ausgiebig zu frühstücken.
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Rhiann - Sturm über den Highlands von Aileen P. Roberts
1. Auflage 2006, Cuillin Verlag
ISBN 3-9810966-1-4
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Autorin: Aileen P. Roberts
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