Pferdegeschichten
Giny - die Geschichte meines ersten eigenen Pferdes
Habe auf Eurer Site gelesen, dass man Euch Geschichten schicken
kann, nunja, diese Geschichte ist die Realität und die Story meines
ersten eigenen Pferdes.
Wollte ein bisschen was über mein Sternchen schreiben, da ich sie
nicht mehr lang haben werde. Also ihr Geburtsname ist Urdas
(Spitzname Giny). Ihr Daddy war Midas, ein Vollblüter und ihre Ma war
Urfehde ein Trakehner. Giny ist mittlerweile schon 19 Jahre. Habe sie
im Juli 2003 gekauft, mehr oder weniger.
Es fing so an, das ich beschlossen habe mir ein Pferd in der nächsten Zeit zu holen.
Nicht gleich, aber eben in den nächsten Monaten. So als ich es beschloss,
habe ich es einer Bekannten erzählt, und prompt kam von ihr am
Samstag eine sms: "Hi Jule, eine Schimmelstute, 18 Jahre, soll zum
Schlachter, wenn sich kein Käufer findet.!" Nunja, und ich habe
natürlich ja gesagt, ich wusste das Pferd kommt zu meinem Nachbarn,
wenn ich irgendwann eins hole, aber das das innerhalb von einer
halben Stunde geht, dachte ich nicht.
So nun hatte ich damit abgeschlossen, das am Sonntag ein Pferd zu mir kommt.
Nichts war - Samstag abend klingelte mein Handy, nur ich habe es mehrmals nicht
mitbekommen, weil ich draussen saß, und da war die Gestütsleiterin
dran. Giny ist von einem Züchter bei mir in der Gegend, die
Gestütsleiterin kennt den Züchter, ich pers. nicht. Jedenfalls, als
ich es ca. eine Stunde später mitbekam, habe ich meine Freundin
angerufen, was los sei, weil auch sie versucht hat mich mehrmals
anzurufen. Sie sagte, nu das es zu spät sei, die Stute wär schon aus
dem Transporter raus. Sie sagte, dass sie ein paar Probleme beim
Verladen der stute hatten, und sie sie gleich zu mir bringen
wollte.
Sie haben die Stute für diese Nacht im Gestüt untergestellt. Meine Freundin kam an dem Abend noch vorbei und erzählte mir die Story. Der Züchter wollte Giny los werden, weil sie
verfolt hat und es nicht sicher sei, ob sie jemals wieder ein Fohlen
bekommen kann. Beim Verladen haben drei Mann ca. 30 min gebraucht, um
sie in den Hänger zu bekommen. Nunja, als ich dann Sonntag früh auf
das Gestüt kam mit nem schönen neuen großen Anhänger, war es so
weit, dass ich sie das erste Mal sah.
Da stand sie in der Box, schön weiß, lange, seidige Mähne. Es war zumindest von meiner Seite Liebe
auf den ersten Blick. Mir war klar, dass ein Mensch für eine Zuchtstute
nur ihr Futterbringer ist. Jedenfalls saßen wir dann im Büro, wollten
den Kaufvertrag unterschreiben (der Züchter hatte der Gestütsleiterin
den Auftrag gegeben den Kauf abzuwickeln), da rief es nur von
draußen "nicht unterschreiben"!. Die Gestütsleiterin ging raus, meine
Freundin folgte etwas später, dann kam sie rein und sagte zu mir
ich solle mitkommen, der Züchter fährt mit Katrin, der Gestütsleiterin
weg. Wir ins Auto, fuhren hinterher, auf einem abgelegenen Parkplatz
hielt der Züchter und Katrin kam zu uns ins Auto und sagte, "Ich
habe gerade ein Pferd gekauft".
Ich muss dazu sagen, dass der Züchter
schon alt ist und auf gut deutsch, bekloppt im Hirn ist, da
funktioniert es nicht mehr richtig im Alter. War auch schon in
Psychatrie..., also Katrin hat Giny von dem Züchter gekauft und ich
habe Giny ihr abgekauft. Nunja, waren wieder im Stall, dann sollte
Giny verladen werden. Mhhh also wenn ich sag, dass 8 Mann 1 Stunde damit
verbracht haben, das Pferd in den Hänger zu bekommen, dann glaub ich, weiß
jeder der Ahnung hat, dass das die reinste Tortur war. Ich habe noch
nie gesehen, dass man ein Pferd so geschlagen hat wie Giny.
Auf mich
wollte keiner hören, war damals ja erst 16 und habe ja null Erfahrung
in solchen Dingen ...Seit ich 2 Monate alt bin, hab ich auf dem Pferd
gesessen. Na gut, erst musste mich immer noch jemand festhalten.
Als es dann geschafft war, bin ich mit in den Hänger und
habe Giny gefüttert, sie stand zitternd da, aber hat gefressenen. Ich
habe ihr versprochen, dass sie nie wieder in einen Hänger muss. Dann
habe ich sie auf die Koppel gelassen. Wir sind gleich wieder los mit
dem Hänger, um einen Gefährten zu finden. Nun und das haben wir dann
auch, eine Freundin hate uns einen ihrer Shettys mitgegeben. Nun
standen die zwei Pferde grasend auf der Koppel. Es hätte alles so
schön sein können, aber nein, das Schicksal meinte es nicht gut mit
uns.
Als ich Montag morgen aufstand, um in die schue zu gehen, stand
meine Mutter weinend in der Stube und sagte "Veilleicht kommen sie
Giny wieder abholen". Der Züchter steht in sehr guten Verhältnis
zum Chef des Gestüts, wo Giny kurz stand. Katrin hatte Angst ihren
Job zu verlieren. Ich habe erfahren, dass es die Nacht Terror gab,
der Züchter soll durch meinen Ort gefahren sein und hat nach dem
Pferd geschaut, wo es ist.
Nun gut, ich bin in die Schule, habe nur geweint, aber hatte immer noch
die Hoffnung, dass Giny noch da ist, wenn ich komme. Ich wurde enttäuscht,
als ich mich unserem Haus näherte, hörte ich den Shetty Max schon von weitem
wiehern und da wusste ich was los war. Ich bin gleich zu dem Kleinen gelaufen
und blieb erstmal bis es dunkel wurde bei ihm. Er blieb noch eine Nacht bei mir, dann
haben wir ihn wieder heim geschafft.
Meine Mutter erzählte mir, als sie Giny abholten, waren sie nur zu zweit,
obwohl 6 Mann dastanden. Meine Ma, mein Nachbar und meine Freundin, halfen Katrin nicht Giny
auf den Hänger zu bekommen. Nach 1 1/2 Stunden rief Katrin jemanden
auf dem Gestüt an, er solle mit einem Anhänger kommen, wo schon ein Pferd
drauf sei. Er war dann da und sie brauchten trotz des anderen
Pferdes auf dem Hänger nochmal 1 Stunde, um meine Kleine auf den
Hänger zu laden. Das Geld haben wir zurück genommen, nun saß Katrin
auf dem Pferd, da sie ja Giny vom Züchter gekauft hat.
Sie hat auf dem Gestüt schon 2 eigene Pferde stehen und ein drittes kann sie sich
nicht leisten. Zu dem Zeitpunkt hat meine Freundin einer Scheune in
der ein paar Boxen sind auf dem Gestüt gepachtet und sie hat Giny
dann gekauft, nun bin ich ab und zu mit auf dem Gestüt gewesen und
habe mich um Giny gekümmert. Meine Freundin hat noch 2 andere eigene
Pferde.
Ich merkte, um so öfter ich kam, um so tiefer wurde das
Vertrauen, was mir Giny entgegenbrachte. Als Zuchtstute in einem
großen Stall baut man als Pferd keine große Bindung zu dem Menschen
auf. Der Mensch füttert sie nur, bewegt sie vielleicht ab und
zu - und das wars. Eine Zuchtstute ist nun mal eine unter vielen, die
alle gleich behandelt werden. Giny lies sich anfangs von niemanden im
Gesicht anfassen, biss beim satteln und wenn man an die Koppel kam
ist sie nie gekommen. Nach einer Zeit bei meiner Freundin, hatte ich
beim satteln kaum noch Probleme. Sie kam zwar mit dem Kopf rum, aber
versuchte nie mehr zu beißen. Ok, meine Freundin schon, sie blieb
nur ruhig, wenn ich sie sattelte. Im Februar dieses Jahres schenkte
mir meine Freundin Giny, weil sie in einen anderen Stall wollte und
sich 3 Pferde nicht mehr leisten konnte.
Nun war das Problem, wie bekomm ich Giny zu mir. Ich habe ihr versprochen, dass sie nicht
mehr in den Hänger muss. Einmal habe ich das Versprechen gebrochen,
noch ein zweites Mal nicht. Ich bin die Kleine 2 1/2 Stunden bis zu
mir geritten. In der Zeit mussten wir so einiges überstehen, viele
böse große Lastwagen, Traktoren, und immer diese bösen gefährlichen
Plastiktüten ;-) Und um Gottes Willen die schlimme Wäsche auf der
Wäscheleine. Nun ja, dann kam das beste, was ich nie vergessen
werde. Wir waren noch ca. 1/2 Stunde weg vom neuen Stall, da krähte
ein Hahn ziemlich nah bei uns. Was macht meine Kleine, sie bleibt
stehen, horcht, wiehert und fängt an ein paar Buckler zu machen.
Ich konnte dann erstmal vor Lachen nicht mehr, sowas hab ich noch nie
erlebt. Als wir dann da waren, übrigens Giny kam diesmal nicht zu
meinem Nachbarn, sondern zu Bekannten, die hatten eine Reitponystute,
die seit einigen Wochen allein stand. Da haben wir die zwei zusammen
auf die Weide gelassen und siehe da, es klappte von Anfang an mit den
Beiden. Als ich am nächsten Morgen aufstand, hatte ich erstnmal
richtig Muskelkater und bin in Selbstmitleid versunken, aber als
ich in den Stall kam und sah, dass meine Stute zitternd da stand,
überkam mich ein lachen. Da hatten wir beide einen tierischen
Muskelkater! Aber lieber den, als noch eine Fahrt im Hänger ;-)
Nun sind wir glücklich bis jetzt, aber leider wird sie jetzt verkauft.
Ich ziehe in die Stadt und da hab ich nicht mehr soviel Zeit. Und bevor
ich sie vernachlässige, geb ich sie lieber in gute Hände. Die neue
Besitzerin ist eine ganz Liebe, die selber auch schon 2 Pferde hat.
Sie ist an der Linie von MIDAS interessiert, weil sie vorher schon
einen Sohn von ihm hatte. Ich trenn mich ungern, aber dort wird sie es
auch gut haben, vielleicht noch ein Fohlen bekommen und ihren
Lebensabend genießen. Besuch wird sie von mir auch weiterhin
bekommen. Es ist so schön mit ihr geworden, ich hätte nie gedacht, dass
gerade Giny mal eine so anhängliche Stute werden kann.
Sie läuft mir
hinterher, egal wohin ich geh, sie lässt sich pausenlos am Kopf
streicheln, sie hat einfach gelernt zu vertrauen und das ist das
wichtigste was Mensch und Pferd brauchen. Denn ohne Vertrauen
arbeitet man nur gegeneinander und nicht miteinander. Ich werde sie
nie vergessen und ich danke meinem Ex-Freund dafür, dass er mir
immer die Miete bezalt hat. Ohne ihn hätte ich nichts geschafft. Thanx,
und danke, dass wir trotz allem Freunde bleiben. War eine sehr schöne
Zeit mit dir. Werde dich nie vergessen.
Meine Kleine steht nun seit über einem Jahr bei Isabell. Ich bin
ständig im Kontakt mit ihr und es hat sich eine gute Freundschaft
aufgebaut. Meiner Giny gehts total super bei ihr und das freut mich,
dass ich für mein Pferd damals eine gute Entscheidung getroffen habe.
Autorin: Juliane Sänger
« zurück zur Übersicht weiter »
|
| Ihr Pferde-Erlebnis |
| Möchten Sie gern Ihr Pferde-Erlebnis oder Ihre Pferdegeschichte veröffentlichen? Schicken Sie uns eine Mail mit Ihrer Geschichte an redaktion@tovero.de - bei entsprechender Eignung wird Ihre Geschichte veröffentlicht. |
|