Pferdegeschichten
Sommerträume
Es war jene Liebe, von der man weiß, dass man ihr, wenn überhaupt, nur
einmal im Leben begegnet. Anders lässt sich dieses gegenseitige Verstehen
nicht erklären, dieses wortlose sich Annehmen. Nie werde ich ihre Augen
vergessen, der Blick voller ausgeglichener Ruhe. Ihre edle Gestalt, ihre
stolze Haltung waren erfüllt von vornehmer Abgeklärtheit. Zurückhaltung
und zärtliche Annäherung gingen bei ihr eine Verbindung ein, wie ich es
bisher noch nie erlebt hatte. Ihr schwarzes Haar glänzte im Licht der
Sonne, und wenn ich nur einen Gedanken dachte, drehte sie schon ihren
Kopf in meine Richtung und ihr Blick war voller Antwort auf meine
ungesprochenen Fragen.
Sie sorgte dafür, dass ich meine innere Ruhe wieder fand, holte mich
heraus aus dem Tal, verdoppelte mir die Freude über reifende Weizenfelder,
rote Mohnblüten und über den kühlen Schatten im Buchenwald. Sie genoss
mit mir die Rast am See und die Ruhe über der Wiese.
Ich wusste, dass diese tiefe Zuneigung schon bald mit einer Trennung
enden würde, doch sie gekannt zu haben, erlebt und gefühlt zu haben,
was ich mit ihr erlebt und gefühlt habe, das war ein Geschenk. Vor meiner
Abreise ging ich noch einmal zu ihr. Voller Sehnsucht nach Zärtlichkeit
kam sie auf mich zu. Ich umarmte sie, streichelte über ihr seidenes Haar,
liebkoste ihre warme Haut. Sie legte ihren Kopf auf meine Schulter und
verharrte in völliger Hingabe. Wir hatten die Zeit angehalten für diesen
Moment des Einswerdens.
Als ich wegging, trottete Luna wieder zurück zu ihrem Hafertrog. Das
beruhigende gleichmäßige Malmen ihrer Kiefer klingt mir noch im Ohr.
Autorin: Brigitte Günther
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