Pferdegeschichten
Exoten im Stall!
Wie kommt ihr damit klar...oder neues aus dem Irrenhaus! Hereinspaziert, hereinspaziert...
Menschen, Tiere, Sensationen....gutes Reiten schlechtes Reiten....immer wieder neu...immer
wieder schön... Exclusivnachrichten von Flunkes Ponyhof!!! Es ist mal wieder soweit, es muß
raus oder ich platze!!!!!!! Wieso immer ich???? Jetzt muß ich schon wieder drüber lachen
aber erzählen muß ich das! Ihr erinnert euch an die Esotheriktante die alles auspendelt?????
Je nach Witterung empfängt sie stärker oder schwächer inrgendwelche „Schwingungen“. Vorgestern
war es wohl besonders schlimm. Ich komme in den Stall, sie sieht mich an und sagt: Bea...es
kommt etwas schreckliches auf dich zu.....noch binnen 24 Stunden....gehe nicht aus dem Haus.
Alles klar, meine Liebe....gut dass es den Eismann gibt.....
(Ist ja nicht so dass nicht andauernd irgendwelche schrecklichen Dinge passieren können)
Dann gibt es noch einen weiteren Einsteller bei uns, den Schweinemann, der ein
Zwerghängebauchschwein namens Herr Doktor und eine Lamastute namens Susi besitzt. Diese
beiden Exoten teilen sich einen Bauwagen, der etwas abseits liegt und haben eine nette Weide
nur für sich. Der Schweinemann ist ein netter älterer Herr, der niemanden etwas tut, der
niemandem zur Last fällt, der mir Susi und Herrn Doktor durch den Wald spazieren geht, der
irgendwo noch Bienenvölker betreut und ein Hobbyimker ist und uns gelegentlich mit
vorzüglichem Honig beköstigt. Seine Frau sagt zwar er würde spinnen, aber das sagt mein
Mann gelegentlich von mir auch.
Dann haben wir seid einiger Zeit eine neue Einstallerin die mein Mann die „Bolero-Olle“
nennt. Im wirklichen Leben heißt die Dame Anja, aber wir haben schon eine Anja und deshalb
nennt mein Mann sie so, weil sie einen Andalusierwallach hat und den spanisch reitet und
meist bei schönem Wetter im prächtigen andalusischen Outfit erscheint, ihrem Pferd bunte
Bänder in die Mähne flicht (dauert .ca ne Stunde, sieht aber wirklich hübsch aus) und dann
zu den Klängen spanischer Musik aus dem mitgebrachten Ghettobluster mit ihrem Pferd reitet
und von Auftritten im Zauberwald träumt. Ole!
Nun trug es sich gestern zu, dass Esotheriktante und Schweinemann sich mit TA zum impfen
verabredet hatten. Susi und Herr Doktor bekommen wohl auch irgendwelche Impfen gegen
Schweinepest und Maul- und Klauenseuche und Tollwut und Tetanus und was weiß ich. So
standen denn Schwein, Lama und Esotherikfriese nebeneinander am Balken angebunden, das
heißt Herr Doktor war nicht angebunden sondern spielte mit unserem Hund.
Der TA kam, impfte Lama und Pferd und den empört quiekenden Herrn Doktor und ließ sich
dann auf einen friedfertigen Plausch mit dem Schweinemann ein. Mein Mann, meine Tochter
und ich saßen auf der Bank vor unserer Waschküche und genossen das Schauspiel. In diesem
Augenblick erschien die voll ausstaffierte Bolero-Olle auf Bühne und meinte wohl den
jugendlichen TA beeindrucken zu müssen, indem sie mit ihrem Andalusier im Seitwärtsstep
über dessen abgelegtes Jacket laufen ließ, die Augen strahlend auf den tierärztlichen Held
geheftet!
Dem Held fiel eher die Kinnlade runter und stammelte nur mein Handy, mein Handy..... die
Bolero-Olle, sich inzwischen seiner vollen Aufmerksamkeit bewusst, demonstrierte ein paar
feine spanische Schritte über den Asphalt und zurück übers Jacket, welches sie
offensichtlich aufgrund ihrerer hormonellen Gesamtsituation nicht bemerkte. Mein Mann
gluckste inzwischen schon wieder fast haltlos vor sich hin. Der Veterinär sprang geschwind
auf sie zu, griff sein Jacket wenig begeistert vom Boden auf und stellte erschüttert fest,
dass sein gutes Nokia für andalusische Bolerotänze nicht ausgelegt ist. Was er der feinen
spanischen Esmeralda auch in recht bitteren, unedlen Worten zu verstehen gab.
Dieses ließ wiederum das Strahlen in ihren Augen erlöschen, was wildem ebenfalls undamenhaften
Gekeife wich. Wütend ging sie in den Stall und machte ihren Kassettenspieler an und
beschallte unser kleines gemütliches Gehöft mit den fetzigen Rhytmen eines ekstatischen
Gitarreros und zog ein Gesicht, dass Prosper Merimee vor Augen gehabt haben muss, als er
Carmen schrieb. Inzwischen zog Susi ungeduldig am Strick und wollte dem Herrn Doktor folgen,
der sich inzwischen weit ab vom Geschehen in eine Pfütze suhlte.
Der Veterinär erlaubte sich dann den Rekorder leiser zu machen und Boleroweibchen mal auf
ihre Haftpflicht anzusprechen, worauf diese sich dann knurrend auf den Weg zu ihrem Auto
machte, um ihm da was aufzuschreiben. Sie ging an der inzwischen fassunglos dreinschauenden
Susi vorbei und es machte : RRRROOTZ!!!!!! und Susi hatte die Bolero-Olle mit einem satten
Gelben bedacht. Gezeter und Geschrei! Mein Mann hatte inzwischen Tränen in den Augen war
rot angelaufen im Versuch nicht rauszuplatzen. Er verfolgte mit seinen Augen eine hysterische
Esotheriktante, die wie ein aufgescheuchtes Batteriehuhn gackernd über den Hof rannte, das
inzwischen uns allen vertraute Pendel aus seinem Innern zog und mit wichtiger Miene über den
Hof stolzierte, und mehr als besorgt in meine Richtung sah.
Der Schweinemann tupfte inzwischen sehr betreten mit einem bunten Herrentaschentuch am
Bolerowestchen der Zauberwaldanwärterin rum, mehrfach um Entschuldigung heischend. Mein
Mann hatte inzwischen alle Fassung verloren und jappste haltlos nach Luft, stammelte
zwischendurch nur: Irrenhaus, ich sach nur Irrenhaus. Susi platzierte inzwischen wohlgezielt
einen Gelben auf dem Rücken der Pendelschwingerin und der TA ergriff rasant die Flucht,
steuerte sein Auto mit einem Kavalierstart vom Hof, um dann in einer Pfütze ne Vollbremsung
zu machen, um den armen friedlich nuffelnden Herrn Doktor nicht das Leben zu nehmen.
Mein Mann war inzwischen vor die Bank gefallen, lag auf den Knien, hochrot im Gesicht und
hatte sich an seinem Kaugummi verschluckt, rang verzweifelt nach Atem. Ich war eigentlich
unterwegs gewesen Susi vom Balken abzubinden, hatte diese schon am Strick und eilte zurück
zu meinem Gatten, um diesem den Rücken zu klopfen. Die Pendeleule eilte ebenfalls herbei
und bekam erneut einen Gelben von Susi ab, allerdings war der nicht mehr so reichhaltig
wie die vorher. So trug es sich zu, gestern, und der Tumult löste sich erst auf, ale ein
Platzregen niederging, der uns alle davonzuschwemmen drohte. Jetzt ist natürlich wieder
Vollalarm und alle hacken auf dem armen Lama rum. Dabei kann das doch nichts dafür. Mein
Mann und ich finden es dagegen voll O.K.. Mein Mann hat übrigens überlebt! Gibt es bei
euch auch solche Exoten im Stall?
Autorin: Flunke
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