Kolumne: Johans Welt
Fliegenabwehr! - oder "Das Pferd mit der Maske"
Sommerzeit - denn ganzen Tag stehen wir dösend auf unserer Koppel unter dem
Nussbaum. Jede Bewegung ist zuviel. Gefuttert wird möglichst am Abend und in
der Nacht. Nicht, dass ich nicht durchgehend fressen könnte! Wären da nicht
diese furchtbaren Plagegeister - die Fliegen.
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| Hardrocker Blesi mit Wallemähne |
Ihr glaubt gar nicht, wie ich meinen Kumpel Blesi in der Sommerzeit um seinen
Schopf beneide. Der Gute hat zwar etwas von einem in die Jahre gekommenden
Hardrocker - aber praktisch ist so ein Schopf allemal. Meine Stehmähne ist
selbstverständlich viel eleganter als die Zottelmähne von Blesi und kommt
natürlich auch viel besser in der Stutenwelt an - aber so eine Schopf wie
der Isländer hätte ich auch gerne. Vielleicht sollte ich meine Besitzerin
mal wegen einer Haarverlängerung anbetteln.
Die Fliegen werden natürlich bekämpft - manche Methoden finde ich allerdings
mehr als fraglich. Da wäre zum einen die biologische Bekämpfung mit komischen
weißen Knollen. Die ersten habe ich in Erwartung eines Leckerlies freudig
heruntergeschluckt, aber inzwischen spucke ich sie meistens angewiedert aus.
Mein Frauchen nennt es glaub ich "Knoblauch". Meine Lieblingsstute rüpft
jedenfalls immer die Nase, wenn ich ein paar von den Dingern verputzt habe.
Die Fliegen beeindruckt das Zeug leider nicht sonderlich.
Danach kommt meist das große Sprühen - ob nun selbstgemixte Geheimrezepturen
oder Fliegenspray aus dem Reitsportgeschäft: stinken tun sie alle! Allein
schon das Geräusch einer Sprühflasche macht mich nervös. Weiß ich doch, dass
diese sich gleich meinem besten Stück nähern wird. Da bin ich gaaanz empfindlich.
Helfen tun diese Mittelchen leider nur begrenzt - ist meines Erachtens den
Schrecken nicht wert.
Aber den größten Klopfer hat sich mein Frauchen letzte Woche erlaubt. Da kam sie
doch tatsächlich mit so einem karierten Fetzen mit Plüschrand an und ehe ich wußte
was geschah, hatte Sie mir das Teil schon über den Kopf gestülpt. Einen Moment
lang glaubte ich, ich sei blind. Ich merkte aber schnell, das ich durch das Teil
ganz gut sehen konnte. Aber was ich sah, erschreckte mich um so mehr: meine Herde
wandte sich panisch von mir ab und stürmte davon. Wo war die Gefahr?
Verdutzt galoppierte ich hinterher. Was die anderen in noch größere Panik
versetzte. Es dämmerte mir - die hatten Angst vor mir. Die Fliegenmaske hatte
mich so entstellt, dass sie mich für ein Ungeheuer hielten....
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| Warum laufen die anderen denn weg? |
Der Test mit der Maske dauerte zum Glück nur 24 Stunden - nachdem ich meine Kumpels
davon überzeugen konnte, dass das vermeintliche Ungeheuer ihr Boss war, kamen
einige Spaziergänger an der Weide vorbei. "Guck mal, Mami, dem Pferd sind die
Augen verbunden worden", machte ein kleines Mädchen ihre Mutter auf mich aufmerksam.
Ich versucht besonders elend auszusehen und ließ den Kopf hängen. "Tierquäler",
schimpfte die Mami, "komm, wir helfen dem armen Pferd". Und schon war ich die Maske
wieder los. Die Frau hängte sie an einen gut erreichbaren Ast auf der Weide und
wir haben noch lange damit gespielt.
Meine Besitzerin durfte am nächsten Tag das, was davon übriggeblieben war
zusammensuchen. Zumindest von dieser Art des Fliegenschutzes ist sie seitdem
geheilt. Das allerbeste Mittel gegen Fliegen ist sowieso ein ausgiebiges im
Schlamm wälzen und gemeinsames Beisammenstehen und Schweifwedeln.
Aber mich fragt ja keiner! Einen schönen Sommer wünscht Euch
Euer Johan
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