Kolumne: Johans Welt
Der kleine schwarze Teufel
(KB) Als ich noch als armes Schulpony meinen Dienst tat und meine jetzige Besitzerin sich zwar
um mich kümmerte, aber wenig Mitspracherecht bei meiner Haltung und Behandlung hatte, beschloss
der Stallbesitzer, dass ein Pferd pro Box eigentlich zu wenig sei und ich mich über Zuwachs
doch sicher freuen würde.
Da stand also plötzlich dieser kleine rabenschwarze
Ponyjährlingshengst vor mir und sollte von nun an die Box mit mir teilen. Er war ein nichtgewolltes
Hochzeitsgeschenk des Stallbesitzers an seine Schwester, die ihn postwendend ihrem Bruder zurückschickte.
Soviel zu unüberlegten Aktionen von Menschen. Michel, so hieß der kleine Kerl, stand mir also kauenderweise
gegenüber - frei nach dem Motto: Tu mir nix, ich bin ja noch so klein.
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| Kampfhandlungen |
Gutmütig, wie ich bin, nahm ich den kleinen Kerl freundlich auf und teilte fortan den Futtertrog mit ihm.
Aus dem schüchternen Pony wurde bald ein richtiger Frechdachs, der mich wirklich Nerven kostete.
Er wollte
den ganzen Tag nur spielen und kämpfen. Meine spätere Besitzerin hatte wenig Mitleid mit mir - sie grinste nur
und machte Bemerkungen wie "Da bleibst Du wenigstens in Bewegung".
Die hat vielleicht ne Ahnung, wie anstrengend so eine Ganztagskinder- betreuung ist. Ist ja klar,
dass sie selber keine Kinder hat...
Wenn es mir zu bunt wurde, habe ich das schwarze
Ungeheuer einfach umgeschuppst - dann war wenigstens für einen Moment Ruhe. Aber wie das so ist,
man gewöhnt sich an die Kleinen, auch wenn sie noch so nerven. Wenn wir zur Weide gebracht
wurden und uns Spaziergänger begegneten, kam nicht selten die Frage: "Warum sieht das Fohlen
denn nicht aus wie die Mutter?" Menschen! Keine Ahnung von Anatomie.
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| Kurze Pause, dann geht es weiter... |
Wenn ich heute mit meinen Stallkolleginnen (alles Fast-Rentner und kaum zum spielen aufgelegt) auf dem Paddock stehe, vermisse ich den kleinen
Teufel. Wie sagt man noch - Kinder halten einen auf Trab! Andererseits ist eine eigene große Box wirklich
Gold wert. Aber besuchen werde ich den "Kleinen", der inzwischen als Schulpferd Kinder durch die Gegend trägt, in
diesem Jahr bestimmt noch. Hat mir meine Besitzerin versprochen...
Dann darf er mich auch mal ordentlich in
die Kehrseite zwicken - wie in alten Zeiten.
Einen schönen Frühling und saftiges Gras wünscht Euch
Euer Johan
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