Kolumne: Johans Welt
Die (wilde) Jagd
(KB) Spannende Ereignisse werfen Ihre Schatten meistens voraus... Als meine Besitzerin
an einem sonnigen Spätherbsttag in weißer Reithose und schwarzer Jacke im Stall erschien,
war ich mehr als erstaunt. Hatte sie doch geschworen, sich nie als Teilnehmerin auf einem
Turnier blicken zu lassen.
Jetzt fiel mir auf, dass im Stall noch mehrere schick zurecht
gemachte Personen herumliefen. Hatte ich etwas verpasst? Vielleicht ein Turnier auf unserem
Hof? Allmählich steckte mich die allgemeine Aufregung an. Dann wurde ich auch schon aus der
Box geholt, sorgfältig geputzt und mit einer weißen Satteldecke ausstaffiert.
Inzwischen hatten sich mehrere Reiter mit ihren Pferden auf dem Hof zum Abritt versammelt.
Meine Nervosität stieg. Ein Ausritt? Aber da macht meine Besitzerin doch sonst nicht so
einen Aufriss? Und dann ging es los - mit 8 hofeigenen Pferden ritten wir durchs Dorf, wo
wir auf jede Menge Menschen, Pferdeanhänger und fremde Artgenossen trafen. Aufgeregtes
Gewieher war zu hören und .... Hundegebell! Das klang nach einem ganzen Rudel.
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| Rote Jacken und jede Menge Hunde |
Ich sollte meine erste Schleppjagd (Pferd schleppt Reiter?) erleben. Einige Reiter auf
dem Hof, auf dem wir uns nun versammelten, hatten rote Jacken an und einer trug eine
furchterregende Peitsche mit sich herum. Die war aber für die Hunde gedacht - Gott sei
Dank! In einem großen Lastwagen mit Gittern kläfften und jaulten die Hunde. Das war ein
Lärm...
Nach einer Ansprache mit anschließender Musik? durch merkwürdige Hörner,
in die die Menschen hinein pusteten, versammelten wir uns auf einem abgeernteten Feld
und zwei Reiter und Pferde ritten voraus und legten die Fährte, der die Hunde und wir folgen
sollten. Hierbei simuliert ein Reiter (der Schleppenleger) das zu verfolgende Wild und
reitet eine zuvor festgelegte und teils mit Hindernissen präparierte Strecke. Ich weiß
nicht, was sie als Fährte genommen haben - Leckerlies oder Zuckerwürfel wären auch nicht
schlecht gewesen :-)
Ich fand das so aufregend, dass ich ersteinmal einige Bocksprünge
machte - meine Reiterin war nicht begeistert, aber ein bisserl Freude wird ja wohl noch
erlaubt sein, oder?. All das Gewusel, die vielen Pferde, Hunde und das Stoppelfeld unter
meinen Hufen machten mich ganz kirre. Ich wollte laufen.
Dann ging es los - endlich
Galopp. Wow, ich bin losgestürmt, als wäre der Teufel hinter mir her. Es ging sicher
darum erster zu sein. Erst später erklärte mir mein Stallnachbar, dass es ein schlimmes
Vergehen ist, den sogenannten Master, der das Feld anführt zu überholen. Das hätte mir
aber auch mal jemand sagen können... ich habe mich schon gewundert warum meine Reiterin
mich immer wieder daran gehindert hat - dabei war ich manchmal so nah dran.
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| Kurze Pause, dann geht es weiter... |
Und auch dass meine Reiterin eigentlich gar nicht springen wollte, muß mir irgendwie
entgangen sein. Ich hatte riesigen Spaß daran über die Baumstämme und Gräben zu springen.
Geht doch auch viel schneller, als drumherum zu reiten. Ich kann sehr gut springen - aber
meine Reiterin ist da echt überängstlich, die olle Spaßbremse...
Nachdem ich das
System - Versammeln, Jagdhörner und dann Galopp - erstmal durchschaut hatte, wollte ich
diesen Vorteil nutzen und versuchte schon beim ersten Ton aus den Hörnern loszuschiessen.
Auch das stieß bei meiner Reiterin auf völliges Unverständniss... Deshalb war das auch
meine erste und letzte Jagd, sagt sie - so eine Spielverderberin.
Und dann sollte
der Spaß auf einmal vorbei sein - alle versammelten sich auf einer großen Wiese. Die
Hunde bekamen zur Belohnung das sog. "Curée" (Rinderpansen, bähhh...) und die Reiter
einen "Bruch" Eichenzweige. Dabei war ich gerade so richtig in Fahrt - ich hätte noch
stundenlang weiterlaufen können. Bin ich dann auch - in meiner Box.
Locker bleiben.
Euer Johan
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