Gesundheit - Hilfe für das kranke Pferd
Erste Hilfe für Pferde
Der Mensch sollte bei allen akuten Krankheiten und Verletzungen des Pferdes
immer nach folgender Regel handeln:
Erkennen - daß es dem Pferd nicht gut geht
Einschätzen - wie darauf reagiert werden soll und ob man selber helfen kann
Handeln - und gegebenenfalls sofort den Tierarzt verständigen
Bei einem unklaren Krankheitsbild, schmerzhaften und schweren Krankheiten, bei offenen Wunden,
bei Brüchen sollte unter allen Umständen der Tierarzt verständigt werden, auch wenn man selbst
Sofortmaßnahmen ergreift und sich einer Diagnose und eines korrekten Handelns sicher ist.
Atemnot | Durchfall | Einschuß | Hufrehe Kolik | Kreuzverschlag | Lahmheiten | Offene Brüche Offene Wunden | Schlundverstopfung | Verbrennungen
Atemnot
Bei Atemnot muß sofort der Tierarzt verständigt werden, denn ein Pferd, dass unter akuter Atemnot
leidet, hat Todesangst. Bei der dadurch entstehenden Panik kann es zu einem Kreislaufkollaps
kommen, der den Allgemeinzustand verschlechtert.
Anzeichen: beschleunigte, erschwerte und angestrengte Atmung bei geweiteten Nüstern, blau
gefärbte Maulschleimhäute
Erste-Hilfe-Maßnahmen: Das Pferd an einem kühlen Platz führen und beruhigen
Durchfall
Bei Ernährungsfehlern, Stresssituationen, Erschöpfungszuständen und
Virus-Erkrankungen kann es bei Pferden zu Durchfall kommen.
Anzeichen: Flüssiger Kot, mit Kot beschmutzte Hinterbeine und Hinterbacken des Pferdes
Erste-Hilfe-Maßnahmen: ausreichend Wasser zur Verfügung stellen, Beobachtung des Pferdes, bei
wässerigem oder länger anhaltendem Durchfall den Tierarzt benachrichtigen
Einschuß
Bei dieser Entzündung des Unterhautbindegewebes sollte bis zur Ankunft des
Tierarztes ein Kühl- oder Rivanolverband angelegt werden.
Anzeichen: Anschwellen des Verletzungsbereichs, Fieber
Erste-Hilfe-Maßnahmen: Kühl- oder Rivanolverband anlegen, Fieber messen [Normalwert: 37,5° bis
38,2°)
Hufrehe
Hufrehe ist eine extrem schmerzhafte Erkrankung der Huflederhaut, die meist
an den Vorderhufen auftritt. Sie kann durch Überfütterung (Eiweiß), Koliken, Durchfall,
Überlastung, Nachgeburtsverhaltung und durch einige Medikamente auftreten. Ein Pferd mit einem
Reheschub ist ein absoluter Notfall, der Tierarzt muß sofort gerufen werden, da es bei
verzögerter Hilfe zu Spätschäden kommen kann, die sich nicht mehr heilen lassen.
Anzeichen: sogenannte Sägebockstellung, mit der das Pferd versucht die Hufe zu entlasten,
steifer, staksiger Gang, warme Hufe, verstärktes Schwitzen, Zittern und Festliegen
Erste-Hilfe-Maßnahmen: Futter entziehen und die betroffenen Hufe kühlen
Kolik
Bauchschmerzen beim Pferd sollte man immer ernst nehmen, egal wie stark sie
auftreten, und in jedem Fall tierärztlich behandeln lassen, denn ein tödlicher Ausgang ist
möglich.
Anzeichen: Verstärkte Unruhe, Schweißbildung am Körper, schnellere Atmung, Scharren,
Schweifschlagen, Tritte unter den Bauch, Nasenstüber gegen den Bauch, Hinlegen, Hinwerfen,
Wälzen, starres Liegen auf dem Rücken
Erste-Hilfe-Maßnahmen: Futterentzug, Pferd warm halten, ruhig führen,
beruhigend auf es einwirken, kontrollieren ob noch Kotabsatz erfolgt
Kreuzverschlag
Kreuzverschlag ist auch als Feiertagskrankheit bekannt und eine schwere, sehr
schmerzhafte Entzündung der Rücken- und Kruppenmuskeln. Sie wird in den meisten Fällen durch ein langes
Stehen und zuviel Kraftfutter ausgelöst.
Anzeichen: Bewegungsverweigerung, verkrampfte Muskulatur, Schwitzen, Muskelzittern, roter
bis schwarzbrauner Urin
Erste-Hilfe-Maßnahme: Pferd mit einer Decke über Rücken und Kruppe wärmen, Pferd nicht mehr
bewegen und auf gar keinen Fall transportieren bis der Tierarzt da ist
Lahmheiten
Anzeichen: das Pferd läuft nicht mehr klar, schont ein Bein. Bei unklaren Lahmheiten gilt:
Erste-Hilfe-Maßnahmen: Hufe untersuchen und eventuellen Fremdkörper entfernen. Läuft das Pferd
dann wieder klar, braucht kein Tierarzt gerufen werden. In allen anderen Fällen unbedingt den Tierarzt
zu Rate ziehen, da hier vielfältige Ursachen vorliegen können und Behandlungsfehler auch zu chronischen
Problemen führen können.
Offene Brüche
Erste-Hilfe-Maßnahmen: keine eigene Behandlung, Pferd ruhig stellen und
keinesfalls alleine lassen.
Offene Wunden
Selbst kleine Verletzungen sollten vorsichtshalber lieber dem Tierarzt gezeigt
werden, da es zu einem Einschuß kommen kann. Bei größeren und nicht zu stillenden Blutungen
sofort den Tierarzt anrufen! Wunden, bei denen ein Fremdkörper entfernt werden muß: nicht selber
agieren, sondern auf den Tierarzt warten. Das gilt auch für Verletzungen des inneren Maulbereichs
und Augenverletzungen.
Erste-Hilfe-Maßnahmen: Wunde mit geeignetem Mittel aus der Stallapotheke reinigen und
verbinden (Druckverband mit steriler Wundabdeckung), Tetanus-Impfung im Impfpass überprüfen
Schlundverstopfung
Bei einer Schlundverstopfung verhaften sich nicht ausreichend eingeweichte
Trockenrübenschnitzel oder grobe Brot-, Apfel- und Möhrenstücke im Schlund. Wenn Stücke des
Futters oder Speichel in die Luftröhre geraten, besteht die Möglichkeit einer Lungenentzündung.
Es kann zu Narbenbildung kommen und ein Teil der Schleimhaut der Speiseröhre kann absterben.
Sofort den Tierarzt benachrichtigen.
Anzeichen: starker Speichelfluss aus Maul und Nüstern, scheinbar ruhiges Stehen mit
weggestrecktem Hals und Kopf, Würgebewegungen, Krampfen des Halses, erschwerte Atmung, Husten
und Schnauben
Erste-Hilfe-Maßnahmen: Pferdekopf tiefhalten, eventuell mit mäßigem Druck vom Hals zum
Maul massieren (bei Gegenwehr aber sofort aufhören)
Verbrennungen
Von Brandwunden, ganz gleich welcher Größe, geht eine hohe Infektionsgefahr aus.
Bei großflächigen Verbrennungen besteht die Gefahr eines Kreislaufschocks. Ebenso besteht die
Möglichkeit der Schädigung des Wasserhaushaltes und der Atmung.
Erste-Hilfe-Maßnahmen: verbrannte Stelle sofort mit angefeuchteten, sterilen Verbänden,
die locker aufgelegt werden, kühlen, Trinkwasser anbieten
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