Gesundheit - Hilfe für das kranke Pferd
Ataxie(griechisch = Unordnung)
Unter Ataxie versteht man durch Nervenschäden unterschiedlicher Ursache
hervorgerufene Störungen im Bewegungsablauf und Körperhaltung des Pferdes. Die Auslöser können
Verletzungen, Infektionen, Fütterungsfehler, Vergiftungen oder auch Parasitenbefall sein.
Krankheitsanzeichen
Leidet das Pferd an Ataxie, kann es sein, dass das Pferd einen gewissen Zeitraum nicht reitbar
ist, in ganz schlimmen Fällen kann es unreitbar bleiben. Viele Ataxien machen sich anfangs kaum
bemerkbar und sind von einer leichten Lahmheit kaum zu unterscheiden. Aber auch ein plötzliches
und starkes Auftreten, z.B. nach einer Verletzung der Halswirbelsäule, ist bei diesem
Krankheitsbild möglich.
Betroffene Pferde erkennt man am unsicheren, abgehackten Gang, der ein wenig dem Stechschritt
beim Militär ähnelt. Die Vorderbeine machen eine gestreckte, ruckartige Bewegung nach vorne.
Bei einem starken Auftreten der Ataxie schwankt das Pferd dabei. Die Symptome verstärken sich
beim Strecken und Abwinkeln des Halses sowie beim Wenden und Rückwärtslaufen. Leidet das Pferd
bereits über einen längeren Zeitraum, verstärken sich die Symptome. Die bodenweite Stellung im
Stand (weit gespreizte Beine) ist ein weiteres Anzeichen. Das Pferd steht sehr unsicher und kann
sogar, wenn ihm der sichere Stand genommen wird, stürzen. Pferde, die an Ataxie leiden, haben
außerdem recht häufig einen Huf, der kürzer ist als die Anderen, da die Hufspitze über den
Boden schleift.
Desweiteren zeigen sich im Verlauf der Krankheit Einschränkungen bei den Reflexen. Wo ein
gesundes Pferd auf Berührung der Halsseite mit deutlichem Zucken reagiert, reagieren Ataxie-Pferde
stark verzögert bzw. gar nicht.
Überlassen Sie die Diagnose immer dem Tierarzt!
Man unterscheidet bei Pferden drei unterschiedliche Formen der Ataxie:
1. Spinale Ataxie (am häufigsten auftretend)
Ursachen
Sie tritt durch die Schädigung sensibler Rückenmarksbahnen auf, bei denen das Rücken- oder
Halsmark gequetscht wird. Das hat Auswirkungen auf die Nervenbahnen im Wirbelkanal und zieht
diese in Mitleidenschaft. Betroffene Pferde sind sehr schmerzempfindlich im Halsbereich.
Bewegungen des Halses, insbesondere zur Seite meiden sie. Bei einer verletzungsbedingten Ataxie
kann es zu plötzlichen Lähmungserscheinungen an allen vier Beinen kommen.
Ältere Pferde können durch eine Arthrose der Halswirbelgelenke an spinaler Ataxie Leiden. Die
Arthrose läßt die Gelenke anschwellen, dabei werden die Nervenbahnen gequetscht. Diese Form der
Ataxie tritt langsam und schleichend auf. Auch Spätfolgen aus Verletzungen in Form von kleinen
Rissen in der Knochensubstanz können zur Ataxie führen. Hier reicht schon früheres Festliegen
des Pferdes oder ein Rangordnungskampf. Selbst ein Bluterguss oder eine Gelenkgalle, die Druck
auf den Wirbelkanal ausübt, kann zu spinalen Ataxie führen.
Eine Ursache kann auch die unsachgemäße Fütterung beim Jungtier sein. Bei der Aufzuckt wird zu
energie- und eiweißreiches Futter verwendet, was ein zu schnelles Wachstum des Körpers zur
Folge hat. Die Weichteile wachsen nicht im gleichen Tempo mit und sind anfällig für die später
die Ataxie auslösenden Quetschungen.
Diagnose
Die Durchführung einer Röntgenkontrastdarstellung (Myelographie), bei der ein spezielles
Kontrastmittel in den Wirbelkanal injiziert und der entsprechende Wirbelabschnitt geröntgt wird,
ist für die sichere Diagnose der spinalen Ataxie notwendig. Hierbei werden die entzündlichen
Verwachsungen und raumfordernde Wachstumsprozesse innerhalb des Wirbelkanals sichtbar. Die
heutigen bildgebenden Techniken, wie zum Beispiel auch die Kernspinresonanztomographie, ermöglichen
dem Tierarzt eine relativ genaue Einschätzung der Heilungschancen.
Behandlung
Eine Behandlung erfolgt meistens mit Hilfe abschwellender und entzündungshemmender Medikamente,
um den mechanischen Druck auf den Wirbelkanal zu minimieren. Eine Operation wird nötig, wenn die
Ursache in einer Veränderung der Knochenstruktur liegt und die Wirbelgelenke immobilisiert werden
müssen.
Parallel dazu sollte ein Bewegungstraining stattfinden, um die Muskulatur aufzubauen. Dies kann
durch die Gabe muskelaufbauender Präparate unterstützt werden. Akupunktur kann zu einer
Erleichterung für das Pferd führen.
Behandlungsdauer
Eine vollständige Heilung der spinalen Ataxie ist relativ unwahrscheinlich. Die Behandlungsdauer
kann durchaus bis zu 18 Monate dauern.
Prävention
Durch die richtige Fütterung und ausreichend Bewegung kann hier im gewissen Maße vorgebeugt
werden.
2. Zerebrale Ataxie
Hier befinden sich die Schädigungen vorwiegend im Großhirn (=Cerebrum), Zwischen- oder
Mittelhirn.
3. Zerebellare Ataxie
Hier befinden sich die Schädigungen im Kleinhirn (= Cerebellum)
Ursachen
Zerebrale und zerebellare Ataxien werden durch schwere Virusinfektionen wie etwa beim Equinen
Herpes-Virus EHV-1 hervorgerufen. Eine Borrelioseinfektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi
kann das Nervensystem soweit schädigen, dass sich eine Ataxie zeigt, da hierbei neben dem Gehirn
auch das Rückenmark angegriffen wird. Parasitenbefall ist ebenfalls ein Auslöser dieser Art der
Ataxie. Strongyliden überwinden hierbei die Blut-Hirn-Schranke und setzen sich im Gehirn fest.
Weitere Ursachen der zerebralen und zerebellaren Ataxie können auch schwere Kopfverletzungen mit
offenen Frakturen des Schädels oder auch die Folgeerscheinung einer Vergiftung sein.
Diagnose
Hierbei ist eine Computer- oder Kernspinresonanztomographie nötig, da eine Myelographie nur in
den seltensten Fällen weiterhilft. Auch durch Blutuntersuchungen kann die Ursachenfindung
erleichtert werden.
Behandlung
Die auslösende Erkrankung wird therapiert. Eine vollständige Heilung ist hier möglich.
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